Online verkaufen in der Schweiz: Stripe, MWST, DSG

Verkaufen aus der Schweiz folgt eigenen Regeln: die MWST wird erst ab 100 000 CHF Jahresumsatz obligatorisch, Preise werden inklusive aller Abgaben ausgezeichnet, das revidierte Datenschutzgesetz gilt, und für Onlinekäufe existiert kein gesetzliches Widerrufsrecht. Deutsche Ratgeber treffen hier nicht zu.

Wann musst du in der Schweiz MWST verrechnen?

Ab 100 000 CHF Jahresumsatz. Darunter bist du von der Steuerpflicht befreit: du verrechnest keine MWST, deklarierst keine, und kannst die auf deinen Einkäufen bezahlte auch nicht zurückfordern. Das ist die Lage der grossen Mehrheit der Startenden.

Die freiwillige Unterstellung gibt es, und sie ist nicht abwegig: wer beim Start stark investiert — Material, Rohstoffe, Dienstleistungen — kann durch die Unterstellung die Vorsteuer zurückfordern. Im Gegenzug verrechnest du sie deiner Kundschaft und deklarierst regelmässig. Das ist eine Liquiditätsabwägung für die Treuhand, keine Selbstverständlichkeit.

Seit dem 1. Januar 2024 gelten drei Sätze: 8,1 % Normalsatz, 2,6 % reduzierter Satz — unter anderem für Lebensmittel, Bücher und Medikamente — und 3,8 % für Beherbergung. Welcher Satz gilt, hängt davon ab, was du verkaufst, nicht wer du bist. Kläre deine genaue Lage mit der Eidgenössischen Steuerverwaltung.

  • Unter 100 000 CHF Jahresumsatz: keine Pflicht, kein Vorsteuerabzug.
  • Darüber: Steuerpflicht, Anmeldung bei der ESTV.
  • Freiwillige Unterstellung darunter möglich, sinnvoll bei hohen Geschäftseinkäufen.
  • Sätze seit 2024: 8,1 % normal, 2,6 % reduziert, 3,8 % Beherbergung.
  • Die Schwelle bemisst sich am Umsatz, nicht am Gewinn.

Wie zeichnest du Preise in der Schweiz aus?

Die Regel ist einfach und streng: der angezeigte Preis ist der tatsächlich zu zahlende, inklusive MWST und Abgaben, in Schweizer Franken. Einem Privatkunden einen Nettopreis anzuzeigen ist nicht konform.

Zusätzliche Kosten wie Versand müssen vor dem Bestellabschluss klar angekündigt sein. Eine Überraschung im letzten Schritt ist zugleich ein Konformitätsproblem und die häufigste Ursache für Kaufabbrüche.

In einem Mopsee-Shop ist die Währung die des Shops — für eine Schweizer Kreation standardmässig der Franken — und der Preis, den du erfasst, ist der angezeigte. Versandkosten werden separat in den Liefermethoden geregelt und erscheinen der Kundschaft vor der Zahlung.

Was sagt das Schweizer Recht zu Kundendaten?

Das revidierte Bundesgesetz über den Datenschutz gilt seit dem 1. September 2023 und greift, sobald du Personendaten bearbeitest — also ab der ersten Bestellung, denn eine Lieferadresse ist eine solche.

Drei Pflichten betreffen einen kleinen Shop direkt. Informieren: eine Datenschutzerklärung, die sagt, welche Daten du erhebst, wozu, und an wen sie gehen — dein Zahlungsdienstleister und dein Transporteur gehören dazu. Auskunft geben: jede Person darf wissen, welche Daten du über sie hast, und du musst es sagen können. Melden: bei einer Datenpanne mit hohem Risiko ist der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte zu informieren.

Ein Verzeichnis der Bearbeitungstätigkeiten ist grundsätzlich zu führen, mit einer Erleichterung für Unternehmen unter 250 Mitarbeitenden ohne risikoreiche Bearbeitungen. Und wenn du an Kundschaft in der EU verkaufst, kann die europäische Verordnung parallel gelten: zwei Rahmen, nicht einer. Der EDÖB veröffentlicht KMU-Leitfäden — das ist die richtige Quelle, vor jeder im Netz gefundenen Vorlage.

  • Eine von allen Seiten erreichbare Datenschutzerklärung.
  • Auf ein Auskunftsbegehren antworten können.
  • Eine Datenpanne mit hohem Risiko dem EDÖB melden.
  • Ein Bearbeitungsverzeichnis führen, sofern keine Erleichterung greift.
  • Verkauf in die EU kann den europäischen Rahmen zusätzlich auslösen.

Musst du Retouren annehmen?

Das ist der am häufigsten missverstandene Unterschied — und der mit dem grössten Risiko. In der Schweiz gibt es für Onlinekäufe kein gesetzliches Widerrufsrecht: das Widerrufsrecht des Obligationenrechts betrifft Haustürgeschäfte und Telefonverkäufe, nicht den Fernabsatz im Internet. Wer sich auf «die 14 Tage» beruft, zitiert europäisches Recht.

Das heisst nicht, dass du keine Pflichten hast: die gesetzliche Gewährleistung für Mängel bleibt, und das Lauterkeitsgesetz sanktioniert missbräuchliche AGB. Aber die Rückgaberegel eines Schweizer Shops ist eine kaufmännische Entscheidung, kein gesetzlicher Zwang.

Weil es deine Entscheidung ist, muss sie geschrieben stehen. Eine klare Regel — Frist, Zustand der Ware, wer den Rückversand zahlt, Erstattung oder Gutschrift — beruhigt beim Kauf und verhindert Streit. Viele Schweizer Kreative gewähren freiwillig eine Rückgabefrist: das ist ein Verkaufsargument, solange es als Geste kommuniziert und nicht als Regel erlitten wird.

Achtung dagegen beim Verkauf an Konsumentinnen in der EU: deren vierzehntägiges Widerrufsrecht gilt und hängt nicht von deinen AGB ab.

Wie versendest du aus der Schweiz?

Im Inland deckt die Post das Wesentliche eines kleinen Versenders ab: Briefpost für flache, leichte Gegenstände — Schmuck, Druck, Karte — mit der Wahl zwischen prioritärer und wirtschaftlicher Zustellung; Pakete für alles andere, mit derselben Abwägung zwischen Tempo und Preis. Vergleiche geltende Tarife und zulässige Formate direkt beim Transporteur, sie ändern jährlich.

Drei Entscheidungen triffst du am besten ein für alle Mal, vor der ersten Bestellung. Versand tatsächlich verrechnen oder in den Preis einrechnen: Gratisversand hebt die Abschlussquote, frisst aber die Marge kleiner Warenkörbe. Abholung anbieten oder nicht, was den Posten für lokale Kundschaft streicht — bei Handwerk oft die Hälfte der Bestellungen. Und eine Lieferfrist ankündigen, die du auch in der Hochsaison hältst, statt einer schmeichelhaften, die jedes zweite Mal reisst.

Verpacke für den Transport, nicht fürs Foto. Eine zerbrochene Keramik kostet Ware, Porto, Erstattung und Bewertung.

  • Flache, leichte Gegenstände: Briefversand, prioritär oder wirtschaftlich.
  • Alles andere: Paket, mit derselben Abwägung Tempo gegen Preis.
  • Abholung: anbieten, wenn du lokale Kundschaft hast.
  • Angekündigte Frist: die, die du in der Hochsaison hältst.
  • Versandkosten: verrechnet oder eingepreist, aber vor der Zahlung angekündigt.

Kann man aus der Schweiz in die EU verkaufen?

Ja, und es ist üblich. Man muss nur einrechnen, dass jedes Paket eine Zollgrenze überquert. Schweizerseits ist eine Ausfuhrlieferung von der MWST befreit, mit Ausfuhrnachweis. Auf europäischer Seite fällt die MWST des Bestimmungslandes bei der Einfuhr an, und seit Juli 2021 gibt es keine Freigrenze für Kleinbeträge mehr: sie gilt ab dem ersten Euro.

Konkret zwei Szenarien. Ohne besondere Vorkehrung zahlt deine Kundschaft MWST und Verzollungsgebühren des Transporteurs bei der Zustellung — eine unerwartete Rechnung, die aus einem guten Verkauf eine schlechte Erinnerung macht. Mit dem Import-One-Stop-Shop, vorgesehen für Sendungen bis 150 Euro, wird die MWST beim Bezahlen erhoben und die Kundschaft erhält nichts mehr nachzuzahlen.

Dazu kommen nichtsteuerliche Pflichten: das vierzehntägige Widerrufsrecht europäischer Konsumentinnen und die vorvertraglichen Informationspflichten. Wenn die EU einen wesentlichen Teil deiner Verkäufe ausmacht, lass die Konstruktion von einer Treuhand prüfen — die Ersparnis bei den Verzollungsgebühren zahlt die Beratung locker.

Questions fréquentes

Ab welchem Betrag muss man in der Schweiz MWST verrechnen?

Ab 100 000 CHF Jahresumsatz. Darunter bist du von der Steuerpflicht befreit: du verrechnest keine MWST und ziehst keine Vorsteuer ab. Die freiwillige Unterstellung bleibt möglich und kann bei hohen Startinvestitionen interessant sein. Bestätige deine Lage bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung.

Wie hoch ist der Schweizer MWST-Satz 2026?

Seit dem 1. Januar 2024 gelten drei Sätze: 8,1 % als Normalsatz, 2,6 % als reduzierter Satz — unter anderem Lebensmittel, Bücher, Medikamente — und 3,8 % für Beherbergung. Massgebend ist die Art der verkauften Ware oder Leistung.

Hat Schweizer Kundschaft 14 Tage Widerrufsrecht bei Onlinekäufen?

Nein. Für Onlinekäufe existiert in der Schweiz kein gesetzliches Widerrufsrecht: das Widerrufsrecht des Obligationenrechts betrifft Haustürgeschäfte und Telefonverkäufe. Die 14 Tage stammen aus europäischem Recht. Deine Rückgaberegel ist also eine kaufmännische Entscheidung — die schriftlich festgehalten gehört und beim Kauf beruhigt.

Braucht ein kleiner Schweizer Shop eine Datenschutzerklärung?

Ja. Das revidierte Datenschutzgesetz, in Kraft seit dem 1. September 2023, verlangt, die Betroffenen über erhobene Daten, deren Zweck und Empfänger zu informieren — Zahlungsdienstleister und Transporteur gehören dazu. Du musst zudem auf Auskunftsbegehren antworten und Datenpannen mit hohem Risiko dem EDÖB melden.

Wie wirst du in einem Onlineshop in Franken bezahlt?

Über ein Stripe-Konto auf deinen Namen, verbunden mit deiner Schweizer IBAN, sobald deine Identität geprüft ist. Bei Mopsee ist der Franken die Standardwährung des Shops, und ohne abgeschlossene Prüfung geht keine Zahlung durch. Welche Zahlungsmittel der Käuferschaft angeboten werden, hängt davon ab, was dein Stripe-Konto freischaltet.

Muss man sich für den Onlineverkauf ins Handelsregister eintragen?

Eine Einzelfirma muss sich erst ab 100 000 CHF Jahresumsatz eintragen; darunter ist der Eintrag freiwillig. Die selbstständige Erwerbstätigkeit meldest du dagegen ab Beginn bei der AHV-Ausgleichskasse.